HAUS DES FUNDAMENTS

Nik Bieri

8.Semester - Professur Lehnerer

„Zum Schlafen braucht man kein Schlafzimmer, sondern zunächst ein Bett.“ 

 

Diese Aussage ist so zu interpretieren, dass zunächst die Funktion zu erfüllen ist, bevor der Raum dazu entworfen wird. Nun, ein Bett alleine ist ebenfalls nicht auf die Funktion reduziert. Abgesehen von Ausnahmen, besteht ein Bett aus drei Elementen; Gestell, Matratze und Duvet. Zu Erfüllung der Funktion braucht man die Matratze und das Duvet, nicht aber das Gestell. Betrachtet man nun diesen Aspekt aus dem Blickwinkel des Fundaments als „Haushalter“, so wird das Gestell zum Fundament des Bettes. Das Fundament des Bettes ist bedingt durch das Vorhandensein eines Bodens, welcher wiederum durch das „wirkliche“ Fundament (Fundament des Hauses) bedingt ist. 

Mit dieser Aktion der Reduktion der Möbelstücke auf die Funktion, soll die Abhängigkeit eben dieser mit dem Fundament des Hauses dargestellt werden und die Wichtigkeit des Fundamentes als das „Fundamentale“, als den Anfang zu zeigen. Es entsteht eine Hierarchie. In einem ersten Ansatz wird sehr pragmatisch und plakativ versucht, diese Zusammenhänge im Modell festzuhalten. 

Den Möbeln, welche, wie das Beispiel des Bettes, die Funktion eines Raumes indizieren und so Rückschlüsse auf das Raumprogramm erlauben, wird das „Fundament“ (bspw. Bettgestell) genommen und durch das „wirkliche“ Fundament (Fundament des Hauses) ersetzt.

Betrachtet man nun die entstehende „Skulptur“ können die Räume durch den Bezug der einzelnen funktionsindizierenden Möbel zueinander erahnt werden. 

Bewohnbar ist ein solches Modell allerdings nicht, weshalb in einem nächsten Schritt versucht wird das konzeptuelle Modell, durch minimale Eingriffe in bewohnbares Haus und unter Berücksichtigung des Raumprogramms zu transformieren. Dies bedingt in erster Linie das Vorhandensein von Böden. 

 

Mit dem Projekt wird die „klassische“ Reihenhaustypologie mit ihren copy-paste Grundrissen kritisiert, welche kaum grosse Anordnungsvariationen der raumindizierenden Möbelstücke erlauben. Sprich das Sofa ist mehr oder weniger immer am gleichen Ort, genau wie ein Esstisch, ein Bett, ein Regal, etc. 

Ausgehend von dieser Behauptung wird die Position der Möbelstücke durch das Setzen von Fundamenten fixiert und so durch die verschiedenen Stockwerke eine Raumbildung durch die Fundamente geschaffen. Bspw. wird das Fundament eines Bettes im Obergeschoss im Erdgeschoss plötzlich raumbildend und dient nicht mehr nur stützend. Es entsteht eine neue Welt im Erdgeschoss bedingt durch die oberhalb liegenden Geschosse. Die verschiedenen Grundrisse, respektive Anordnungen der Zimmer im OG, wie auch im EG, sind also gegenseitig abhängig voneinander. Private Einrichtungsgegenstände, wie bspw. Bilder, etc. welche nicht per se raumindizierend, bzw. klar positioniert sind, können durch eine Mehrfachnutzung die Fundamente beleben. 

Um die durch die Fundamente entstehende Vertikalität dieser Struktur (im Gegensatz zu der Horizontale des Grundstückes) beizubehalten, werden Böden, Erschliessung und Fassade dem Konzept unterworfen. Sprich, die Böden bestehen aus filigranen Holzelementen, genauso die Erschliessung um den temporären Charakter, im Gegensatz zu den Fundamenten aus Beton, eben jener Elemente zu betonen. Genauso die Fassade, welche aus Glas besteht und so Einblicke in das Wohnhaus gewährt. Durch das Fehlen der Wände, werden Räume durch Höhenunterschiede gestaltet. Da durch die Fundierung jedes Möbelstückes eine extreme Dichte an Fundamenten geschaffen wird, wird die Raumanordnung dementsprechend gestaltet. Sprich: Räume in welchen weniger Zirkulation stattfindet (Schlafzimmer, Toilette, Eingang und Keller) werden im unteren dichteren (Fundamente) Bereich des Gebäudes positioniert. Das Dach wird durch die Fundamente des Wetterhahns, sowie dem Kamin angedeutet. Man kann sagen, dass das Haus bereits als Ruine geplant wird. Das Fundament als Fundamentales ist das Erste was gebaut wird und das Letzte was übrig bleibt. Sprich sämtliche filigranen Strukturen, Möbelstücke und sonstigen Einrichtungsgegenstände würden mit der Zeit zerfallen und nur das Fundament würde überleben.

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